Kommen wir nun zum letzten Satz des grandiosen …

Kommen wir nun zum letzten Satz des grandiosen Stückes „The Genesis Suite“ von Tolga Kashif.

Unsere Konzerte könnt ihr an folgenden Terminen besuchen:

21.04., 19.30 Uhr, Evangelische Schulgemeinschaft Erzgebirge
22.04., 17.00 Uhr, Evangelische Schulgemeinschaft Erzgebirge
29.04., 17.00 Uhr, Stadthalle Chemnitz

5. Undertow

https://www.youtube.com/watch?v=BOd6wYKKB9o

Ähnlich wie der erste Satz beginnt auch der letzte mit ethnomusikalischen Bezügen, allerdings gewinnt die Musik hier durch Dissonanzreichtum, virtuose Sechzehntelketten und großen Ambitus schnell einen hohen Grad an Dramatik. Eindringlich nimmt dem Klagegeschrei erstmals die zentrale Zeile aus dem Genesis-Song „Undertow“ den Leidensdruck: „Stand up to the blow“ („Stelle Dich dem Wind entgegen“). Doch die Vision der Nächstenliebe zieht rasch vorüber. Es folgen Liedzeilen aus dem Song „Blood of the Rooftops“ („Blut auf den Dächern“). Sie gleichen einer Aufzählung von Belanglosigkeiten aus dem amerikanischen Kino, mit denen sich der im Wohlstand Satte von der Realität abzulenken versucht. Dennoch: nicht zu überhören ist die Warnung, die Kashif aus diesem Song herausarbeitet: Nichtstun wird die Welt ins Verderben stürzen, ein Weltkrieg ist denkbar! Die anschließende Kriegstreiberei, die musikalisch bis in Klangwelten von Strawinskys „Le sacre du printemps“ zurückführt und in die Katastrophe zu münden droht, wird vom Choreinsatz jäh unterbrochen: „Stell Dich dem Wind entgegen, den das Schicksal Dir bereitet“. „Undertow“, aus dem diese Zeile stammt, ist eine Hymne an das Leben. Die Ängste wandeln sich in Hoffnung, aus dem Winter führt der Ausweg in den Frühling. Aber die Wucht der Chorpartie führt vor Augen, dass dieser Frühling nicht logische Konsequenz ist sondern der persönlichen Entscheidung bedarf. Immer weiter steigert sich dieses Aufbäumen gegen das vermeintliche Schicksal, bis allmählich Ruhe einkehrt: „Lege Dich auf den Boden und lasse die Tränen fließen. […] Lass das Leben mich finden.“ Blinder Aktionismus allein wird unsere Welt nicht retten können, wir brauchen unser ganzes Mitgefühl. Und so folgt gleichsam eine Auferstehung ins Leben. Minutenlang erklingt dieses eine Wort „Heaven“ („Himmel“), beleuchtet in immer neuen harmonischen Farben, in größter Ruhe und zuweilen auch voller Zuversicht. Und doch: Kashif zeichnet keine heile Welt, das Ende führt nicht ins Licht, sondern in die Tiefe. Ganz in der Stille und nachdenklich klingt das Werk aus.

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