Heute proben wir wieder fleißig für unsere …

Heute proben wir wieder fleißig für unsere Jahreskonzerte. Euch erwartet ein großartiges Stück des Komponisten Tolga Kashif. Damit jeder eine Vorstellung von „The Genesis Suite“ bekommt, gibt es wöchentlich einige Infos zum Werk.

Die Genesis-Suite gründet sich auf eine musikalisch-inhaltliche Dreierbeziehung: Inspiration dürfte Tolga Kashif für seine Komposition aus zweierlei Quellen erfahren haben, was dem Namen „Genesis-Suite“ einen doppeldeutigen Bezug verleiht: Zum einen stand ein in der Musikgeschichte einzigartiges Werk Pate: die gleichnamige „Genesis-Suite“ aus dem Jahr 1945. Aus dem vom Nationalsozialismus erschütterten Europa emigrierte Komponisten wie Arnold Schönberg, Ernst Toch und Igor Strawinsky hatten gemeinsam auf der Grundlage biblischer Texte zur Grundlegung der Welt und des menschlichen Wesens (Moses 1-11) eine Konzertsuite geschaffen, die in ihrer stilistischen Vielfalt ihres Gleichen sucht. So steht in jener Suite Hollywoodsound der 40er Jahre neben atonalen Klangwelten der musikalischen Avantgarde. Gemein ist beiden siebensätzigen Werken neben ihrem Namen und der äußeren Form eben auch ihr Stilpluralismus. So klingt die Musik von Kashif wie ein Stilmix aus großer Filmsinfonik, Brahms, Rachmaninow und Strawinsky. Darüber hinaus verbindet beide auch der inhaltliche Bezug auf Fragen der menschlichen Existenz.
Das musikalische und lexikalische Material entstammt dabei zum großen Teil aus dem reichen musikalischen und inhaltlichen Fundus der Gruppe Genesis. Genau wie die Genesis-Texte im Alten Testament liefern die zugrundeliegenden Texte der Rockgruppe Allegorien, die anhand von Einzelschicksalen doch das große Ganze meinen. Verführungsnot und Wachstumswahn, menschlicher Kontrollzwang und Sündenfall, Sprachgewirr von Babylon und Sendungsgeist finden sich in Genesis und Genesis.
In Kashifs Komposition handelt es sich dabei nicht um Arrangements der Genesis-Songs im Stile eines Symphonic Rock, sondern um sinnstiftendes sinfonisches Komponieren, in dem die Originale als Gedankengang und motivisch-thematisches Material wirkungsstark wie bedeutungsreich zusammenfinden. Anders als in der ersten Suite setzt Kashif für die beiden Rahmensätze einen vier- bis achtstimmigen Chor ein, der eine wichtige Klangfarbe darstellt, durch die Textgebundenheit den Inhalt eindrücklicher zu vermitteln weiß und so die Musik beim Hörer unmittelbar wirksam macht.
Ihr Sprachen- und Stilmix sowie ihre inhaltliche Botschaft machen die Genesis-Suite zur Weltmusik im besten Sinne.

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